Neues (Ergänzungs-)Logo der Stadt Münster: Wir sagen alles auf einmal. Immer.

Gerade erreicht mich diese Pressemitteilung über eine ergänzende neue Wortmarke für die Stadt Münster. Dass die Stadt an einem Redesign arbeitet, wurde seit einiger Zeit geraunt, jetzt ist die Katze aus dem Sack. Oder besser: Die vielen, kleinen, bunten Katzen. Vorangestellt sei gesagt, dass ich das Ergebnis anhand der Pressemitteilung der Stadt und den beiden damit veröffentlichten Darstellungen bewerte. Ich hoffe allerdings inständig, dass ich dem Ergebnis nicht gerecht werde und sich noch irgendwo eine echte Lösung zeigt.

Logo Stadt MünsterDas bisherige Erscheinungsbild der Stadt ist gut etabliert, wenn auch nur mäßig konsequent umgesetzt. Die Konzeption von Ralph Monshausen bestach durch Konsequenz und Klarheit, die reduzierten Arkaden das reduzierte Rathaus ist auf jedem Gullideckel und auf jedem zweiten Bus zu sehen. Sie sind ein echter Bestandteil der münsteraner Identität geworden. Diese Darstellung reichte nun scheinbar nicht mehr aus, um die Belange der Stadt zu kommunizieren, daher musste eine ergänzende Form her, entwickelt von den Guten Botschaftern, vormals Buttgereit & Heidenreich in Haltern am See. Oben ist das Ergebnis.

Der Stadt-Claim Wissenschaft und Lebensart sollte visualisiert werden, eine anspruchsvolle Aufgabe für einen Kommunikationsdesigner. Das Ergebnis ist in meinen Augen leider nicht erreicht, weil es logisch, handwerklich und strategisch elegant unter der gehängten Zielmarke  durch springt. Im Detail:

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Logisch ist die Zuordnung der Farben nicht nachvollziehbar. Gehört die Stadt Münster zur Lebensart? Gehört der Flughafen zur Lebensart? Gehört eine Hand zur Lebensart? Ist Wissenschaft nur Naturwissenschaft, die sich mit Molekülen oder Atomen beschäftigt? Ist Münster nur seine juristische Fakultät? Wäre das nicht Wissenschaft? Das Farbsystem ist offensichtlich nicht mit Inhalt gefüllt, sondern reine Dekoration. Gutes Kommunikationsdesign zeigt Verbindungen und schafft neue Bezüge. Dekoration macht schön bunt.

Handwerklich ist dieses Zeichen als Marke unbrauchbar, weil es wenig prägnant, schlecht merkbar und schlecht reproduzierbar ist. Dieses Zeichen wird nicht wie das jetzige Zeichen auf Keksen und Gullideckeln zu finden sein, da es schlicht nicht reproduziert werden kann. Der Trend der letzten Jahre zu Puzzle-Logos ist ungebrochen. In meinen Augen brauchen die meisten Projekte aber kein kleinteiliges Puzzle, sondern eine Markierung, die orientiert. Das neue MS-Logo ist so kleinteilig, dass es unerheblich ist, was für Formen tatsächlich im M stehen, man nimmt eigentlich nur Gewimmel wahr. Dieser Schwäche sind sogar die Entwerfer auf den Leim gegangen: Sie haben zwei Versionen veröffentlicht, ohne den Unterschied zu merken. Wenn die einzelnen Formen in der Marke austauschbar sind, ist die Marke zu schwach.

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Detailansichten aus den beiden veröffentlichten PDFs.
Natürlich muss ein Zeichen auch in kleinen und schlechten Wiedergaben funktionieren. Der Unschärfe-Test zeigt das erschütternde Ergebnis. Wer in der kleinen Version noch die Masken findet, bekommt einen Kaffee aufs Haus.

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Strategisch ist dieses Zeichen nicht zielführend: Es soll die Stadt Münster als Stadt der Wissenschaft und Lebensart nach außen repräsentieren. Ein Zeichen, dass ein zweifelhaftes Verständnis von Wissenschaft und Lebensart umständlich und missverständlich nach außen trägt, dürfte sicher nicht transportieren, dass in Münster die Leute klar im Kopf sind und ihre fünf Sinne beieinander haben. Münster hätte sich hier gut als Stadt der Köpfe und des guten Designs präsentieren können.

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Abschließend noch eine Vorschau auf den sogenannten Markenhorizont. Das Blau der Stadt Münster ist etwas kälter und weniger Violett geworden, das bisherige Logo verschmilzt mit einer Standfläche, die bisher im WDR im Einsatz war und die Stadt Münster wird offenbar von Unilever gefördert (kleiner Scherz)

Fazit: Schade um die Chance. Die Stadt Münster hat gezeigt, dass der Einkauf von Design immer noch nicht Chefsache ist und so behandelt wird. Die Guten Botschafter haben gezeigt, dass nicht jeder Entwurf aus einem sonst respektablen Designbüro belastbar ist. Dieses Zeichen sollte zu viel können und ist darüber unfunktional geworden.

 

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