Statt Karten: Eine Geschichte!

Statt Karten gibt es in diesem Jahr eine Geschichte. Ich wünsche frohe Festtage und einen guten Start ins neue Jahr!

Für einen Illustratoren hat es leider nicht gereicht, also musste ich selber ran. Seid bitte gnädig.

 

Die kleine Bollerina

Wenn es etwas gibt, dass die kleine Bollerina gerne tut, dann ist es tanzen. Sie tanzt so gerne, dass sie dabei alles um sich herum vergisst. Sobald sie Musik hört, muss sie einfach tanzen. Aber immer, wenn sie tanzt, bollert sie irgendwo gegen. Dabei passt sie doch ganz genau auf. Sie tanzt und tanzt und sieht nicht, wie der Stuhl umkippt, wie sie ihren kleinen Bruder umtanzt und wie die uralte Stehlampe gefählich schwankt. Sie tanzt einfach weiter, weil sie so gerne tanzt.

Bollerina heißt eigentlich Katharina. Und sie will eigentlich Ballerina werden. Aber weil sie immer irgendwo gegen bollert, nennen sie alle Bollerina. Sie tanzt in der Wohnung und bollert gegen die Kommode. Die Vasen wackeln hin und her und zerspringen dann auf den Boden. Die Eltern rufen: »Oh, du kleine Bollerina, tanz doch bitte woanders!«.

Die kleine Bollerina tanzt auf der Treppe und sie tanzt in der Schule. Und obwohl sie gut aufpasst, bollert sie irgendwo gegen und irgendetwas fällt um. Die Lehrer rufen: »Oh, Bollerina, du bollerst überall gegen – tanz doch woanders!« Die kleine Bollerina tanzt woanders. Sie tanzt auf dem Schulhof und sie tanzt auf dem Spielplatz und obwohl sie gut aufpasst, bollert sie irgendjemanden an und irgendjemand fällt um. Die Kinder rufen: »Oh, Bollerina, du bollerst überall gegen – tanz doch woanders!«

Die kleine Bollerina tanzt woanders. Sie tanzt am Schwimmbecken und sie tanzt am Strand und obwohl sie gut aufpasst, bollert sie irgendwo gegen und einer fällt ins Wasser. Die Strandurlauber rufen: »Oh, Bollerina, du bollerst überall gegen – tanz doch woanders!« Die kleine Bollerina tanzt woanders. Gerade, als sie ganz feste tanzt, hört sie auf einmal ein tiefes Brummen unter sich. Sie hört verdutzt auf zu tanzen und guckt auf ihre Füße. Ihre Füße brummen nicht. Sie schaut über ihre Schuhspitzen hinweg und sieht ein Atemloch, aus dem das tiefe Brummen kommt.

Das Brummen verstummt und aus dem Loch kommt eine tiefe Stimme: »Tanz ruhig weiter, das tut meinem Nacken so gut.« Bollerina macht ein paar Schritte nach hinten vor Überraschung. Jetzt sieht sie ein kleines Auge, dass sie neugierig anschaut. Sie merkt, dass sie auf dem Rücken eines dicken Blauwals steht. Der Blauwal sagt: »Boller ruhig weiter. Vom tiefen Tauchen tut mir der Nacken weh. Ich habe immer jemanden gesucht, der mal feste darauf herumbollert.«

Die kleine Bollerina nickt ein wenig mit dem Kopf und fängt wieder vorsichtig an zu tanzen. Der Blauwal brummt leise: »Mmmh, das ist gut. Wenn du noch etwas weiter nach links …« Die kleine Bollerina tanzt jetzt so feste wie sie kann und bollert mit ihren Füßen in den dicken Walspeck. Die kleine Bollerina lächelt vor Freude. Der Wal fängt sogar vor Freude an, alte Seemanslieder zu singen. Nichts fällt um, nichts geht zu Bruch: Hier kann die kleine Bollerina endlich so viel tanzen, wie sie will.

Als die Sonne schon ganz tief steht, springt sie erschöpft vom Walrücken herunter. Sie schaut in das kleine Walauge und lächelt. Der Wal schaut sie an sagt: »Oh, Bollerina, du bollerst so schön in meinen Nacken, komm doch morgen wieder zu mir.« Die kleine Bollerina strahlt ihn an und stellt sich etwas auf die Zehenspitzen. Der Blauwal macht eine Fontaine und brummt zufrieden: »Ich werde morgen nach dem Tauchen hier auf dich warten.« Die kleine Bollerina macht eine kleine Verbeugung und läuft so schnell wie ihre Beine sie tragen nach Hause.

Ende.