Wie gründet man eigentlich einen Verlag?

lernplakate
[Dieser Text wurde als Newsletter für die Lernplakate am 2.2.2009 verschickt, wird aber hier schamlos zweitverwertet ]

Ganz einfach – indem man eigentlich etwas ganz anderes will. Zum Beispiel ein Büro für Informationsgestaltung. Ich wollte gerade mit Typografie die Welt retten, als die Shopbetreiber des Van-Gogh-Museums in Amsterdam ein Plakatmotiv aus meinem Studium ins Programm aufnehmen wollten. Keine vier Wochen nach dem Anruf lag ein druckfrischer Stapel «Vincent van Gogh – the complete paintings» vor mir. Dumm nur, dass mittlerweile die Familie van Gogh sich wieder umentschieden hatte, und das Plakat doch nicht mehr wollte. Mir blieben zwei Möglichkeiten: zu schreddern – oder einfach selber zu verkaufen. Lernplakate Fachverlag war ein guter Name.

Was ich da noch nicht wusste: Das Lernen ging jetzt erst los. Ich habe gelernt, wie man Plakate so verschickt, dass sie nicht als Regenschirm ankommen und dass Verkaufsstände in der Mensa ganz schön teuer sind, aber deshalb noch lange nicht gut. Ich habe gelernt, dass eine Rolle länger als ein Päckchen sein darf, eine Rolle mit einer Versandmanschette aber ein Päckchen ist, so lang wie eine Rolle sein darf und so viel kostet wie ein Päckchen. Ich habe gelernt, dass im Gewerbeamt an einem Dienstagvormittag um elf in der Teeküche was los ist. Nur in der Teeküche. Genau so habe ich gelernt, dass Chemiker Lust auf Typografie haben und dass Blaskapellen in Bayern tatsächlich mit einem Quintenzirkel üben. Ich habe mich mit Petra Becker beim Korrekturlesen des Periodensystems fast um den Verstand gelispelt und gelernt, dass Drucker bei komplizierten Grautönen erst so richtig in Stimmung kommen. Inga Fischer ist seit einem knappen Jahr bei den Lernplakaten und hat nicht nur alle Strukturen mit aufgebaut, die ein Verlag so braucht, sondern vor allem meine Ungeduld und innere Meinungsvielfalt mit hanseatischer Ruhe ertragen. Meinen herzlichen Dank dafür.

Irgendwo habe ich aufgeschnappt, dass es zehn Jahre braucht, einen Verlag zu etablieren. Die ersten beiden machen jede Menge Mut und Lust auf die nächsten acht.

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