Die Piraten zum Urheberrecht: kommentierter Auszug

Die Piratenpartei zum Urheberrecht (kursiv) mit meinen Kommentaren:
Lesezeit ca. 6 Minuten

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Keine Beschränkung der Kopierbarkeit

Systeme, welche auf einer technischen Ebene die Vervielfältigung von Werken be- oder verhindern („Kopierschutz“, „DRM“, usw.), verknappen künstlich deren Verfügbarkeit, um aus einem freien Gut ein wirtschaftliches zu machen. Die Schaffung von künstlichem Mangel aus rein wirtschaftlichen Interessen erscheint uns unmoralisch, daher lehnen wir diese Verfahren ab.

Diese Haltung verkennt die Leistung, die es braucht, um ein Gut herzustellen. Die angemahnte Verknappung ist keine Willkür, sondern Grundlage eines Ertragsmodells. Ohne dieses Ertragsmodell wäre keine Relation zwischen Leistungserbringung und Nutzung definierbar. Es will mir partout nicht einleuchten, warum gerade das Erbringen von Werken aus ökonomischen Zusammenhängen herausgenommen werden soll. Auch wenn sich digitale Daten verlustfrei kopieren lassen, entstehen Schäden durch entgangenen Umsatz.

Darüber hinaus behindern sie auf vielfältige Art und Weise die berechtigte Nutzung von Werken, erschaffen eine vollkommen inakzeptable Kontrollierbarkeit und oft auch Überwachbarkeit der Nutzer und gefährden die Nutzung von Werken durch kommende Generationen, denen der Zugang zu den heutigen Abspielsystemen fehlen könnte.

Vollkommene Kontrolle galt schon in Klosterbibliotheken, wo die Lesegewohnheiten ebenso kontrollierbar waren. Papier, Pergament und Festplatten sind ebenfalls nicht perfekt geeignet, um einen Gedanken über Jahrtausende verfügbar zu stellen. Nicht einmal Granitgravuren halten so lange durch. Jedes Zeitalter wird Inhalte in neue Medien überführen und dabei nach Relevanz filtern. Eine immerwährende Lösung erzwingen zu wollen ist dahe wie Luxus für alle einzuklagen.

Zusätzlich stehen die gesamtwirtschaftlichen Kosten für die Etablierung einer lückenlosen und dauerhaft sicheren Kopierschutzinfrastruktur im Vergleich zu ihrem gesamtwirtschaftlichen Nutzen in einem extremen Missverhältnis. Die indirekten Folgekosten durch erschwerte Interoperabilität bei Abspielsystemen und Software erhöhen diese Kosten weiter.

Es wäre eine brauchbare politische Maßnahme, die Folgekosten von mangelnder Interoperationalität auf die Verursacher zurück zu werfen. Ob man diese präzise messen kann, wage ich zu bezweifeln. Wäre das möglich, wäre ich sofort dafür, auch Staubsaugerbeutel und Handyadapter zu vereinheitlichen. Bis dahin gilt Vertragsfreiheit.

Freies Kopieren und freie Nutzung

Da sich die Kopierbarkeit von digital vorliegenden Werken technisch nicht sinnvoll einschränken lässt und die flächendeckende Durchsetzbarkeit von Verboten im privaten Lebensbereich als gescheitert betrachtet werden muss, sollten die Chancen der allgemeinen Verfügbarkeit von Werken erkannt und genutzt werden. Wir sind der Überzeugung, dass die nichtkommerzielle Vervielfältigung und Nutzung von Werken als natürlich betrachtet werden sollte und die Interessen der meisten Urheber entgegen anders lautender Behauptungen von bestimmten Interessengruppen nicht negativ tangiert.

Einzig ein geschlossenes System wie z.B. Apple lässt einen umfassenden und wirksamen Kopierschutz und eine Kontrolle der Nutzung zu. Ansonsten braucht es für diese Regelung keine Änderung des Urheberrechts, da jeder Urheber von sich aus eine freie nicht-kommerzielle Nutzung einräumen kann. Das ist gängige Praxis in der Creative-Common-Lizenz. Den Urheber hier per Gesetz zu entmündigen und die Wahl über die Nutzungsform aus der Hand zu nehmen, ist staatliche Willkür. Würde man die nicht-kommerzielle Nutzung generell frei stellen, müsste zudem eine saubere Trennung zu einer kommerziellen Nutzung gezogen werden können. Das ist allerdings nicht immer möglich. Ist eine Nutzung nicht-kommerziell, wenn ich als Blogger einen Text privat hier verwerte, damit aber Aufmerksamkeit errege und Aufträge generiere? Die Praxis, diese Entscheidung beim Urheber zu lassen, ist deutlich näher an der Wahrung der Persönlichkeitsrechte als wenn diese Entscheidung auf den Nutzer übertragen würde.

Es konnte in der Vergangenheit kein solcher Zusammenhang schlüssig belegt werden. In der Tat existiert eine Vielzahl von innovativen Geschäftskonzepten, welche die freie Verfügbarkeit bewusst zu ihrem Vorteil nutzen und Urheber unabhängiger von bestehenden Marktstrukturen machen können.

Vollkommen richtig. Die Mehrzahl dieser Projekte jedoch ist auf ein gemeinsames Wohl ausgerichtet, nicht auf kommerzielle Nutzung, siehe Firefox oder Wikipedia. Das ändert jedoch nichts daran, dass die Entscheidung über die Nutzung eines Werks beim Urheber liegen sollte und nicht beim Nutzer. Jeder Wikipedia-Autor schreibt mit dem Wissen, dass seine Texte frei verfügbar sind und dass er gerade keinen direkten Beitrag zu seinem ökonomischen Auskommen leistet.

Daher fordern wir, das nichtkommerzielle Kopieren, Zugänglichmachen, Speichern und Nutzen von Werken nicht nur zu legalisieren, sondern explizit zu fördern, um die allgemeine Verfügbarkeit von Information, Wissen und Kultur zu verbessern, denn dies stellt eine essentielle Grundvoraussetzung für die soziale, technische und wirtschaftliche Weiterentwicklung unserer Gesellschaft dar.

Ebenfalls richtig, wenn die Inhalte mit öffentlichen Mitteln erstellt wurden. Es bleibt trotzdem die unscharfe Grenze, z.B. bei öffentlicher Filmförderung oder universitärer Grundlagenforschung. Ein Werk wird in der Regel nur dann richtig gut, wenn sich jemand diesem Werk voll und ganz widmet. Es dürfte allerdings sehr schwer fallen, sich einem Werk voll und ganz zu widmen, wenn keinerlei Aussicht auf einen ökonomischen Erfolg besteht. Die Folge wäre, dass sich gerade nicht jeder der Erstellung eines Werkes widmen kann, sondern nur, wer es sich leisten kann.

Förderung der Kultur

Wir sehen es als unsere Verantwortung, die Schaffung von Werken, insbesondere im Hinblick auf kulturelle Vielfalt, zu fördern. Positive Effekte der von uns geforderten Änderungen sollen im vollen Umfang genutzt werden können. Mögliche, aber nicht zu erwartende negative Nebenwirkungen müssen bei deren Auftreten nach Möglichkeit abgemindert werden.

Das heißt im Klartext: Eine öffentliche Stelle übernimmt die Verteilung von ökonomischen Zuwendungen zur Erstellung eines Werks, das dann frei genutzt werden darf. Eine absurde Situation, die sicher nicht die Eigenmotivation stärken wird – siehe DDR. Bei allen Schwächen des Kapitalismus hat das Prinzip des Eigentums bisher die größten wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Errungenschaften ermöglicht. Wer die damit einhergehenden Ungleichheiten vollständig einebnen möchte, schüttet das Kind mit dem Bade aus. Sinnvoller wäre eine Diskussion, um das derzeitige Übermaß an Ungleichheit zu beheben und eben nicht, Ungleichheit vollständig zu eliminieren.

Ausgleich zwischen Ansprüchen der Urheber und der Öffentlichkeit

Wir erkennen die Persönlichkeitsrechte der Urheber an ihrem Werk in vollem Umfang an. Die heutige Regelung der Verwertungsrechte wird einem fairen Ausgleich zwischen den berechtigten wirtschaftlichen Interessen der Urheber und dem öffentlichen Interesse an Zugang zu Wissen und Kultur jedoch nicht gerecht. Im Allgemeinen wird für die Schaffung eines Werkes in erheblichem Maße auf den öffentlichen Schatz an Schöpfungen zurückgegriffen. Die Rückführung von Werken in den öffentlichen Raum ist daher nicht nur berechtigt, sondern im Sinne der Nachhaltigkeit der menschlichen Schöpfungsfähigkeiten von essentieller Wichtigkeit.

Sicher sind einige Ideen einer geistigen Strömung zu verdanken, einer kollektiven Seh- und Lebenserfahrung. Der Gedanke, für »einfache« Ideen ein vermindertes Schutzrecht zu veranschlagen, ist daher so attraktiv wie naheliegend. Das derzeitige Urheberrecht gibt das bereits her, indem  es explizit verlangt, dass ein Werk schützenswert ist. Die Bewertung, ob ein Werk schützenswert ist oder nicht, wird jedoch vom Gesetzgeber bewusst vermieden und den Beteiligten überlassen. Das führt im Zweifel zu gerichtlichen Definitionen, aber meine Beobachtung aus dem Design bestärken mich darin, dass öffentliche Stellen auf keinen Fall die Qualität eines Werkes beurteilen sollten.

Werke, die mit öffentlichen Mitteln erstellt werden, sollten in die Öffentlichkeit zurückgeführt werden – dann, wenn es sinnvoll ist. Hier kann der Urheber ebenfalls am besten bewerten, ob ein Werk noch geschützt werden muss oder dem kollektiven Wissen übertragen werden kann. Manche Ideen brauchen geschützte Räume, bis sie ausgereift sind. Noch einmal: Auch die Bewertung der Qualität einer Idee sollte nicht verhindert werden, sondern im Gegenteil bewusst gefördert werden.

Es sind daher Rahmenbedingungen zu schaffen, welche eine faire Rückführung in den öffentlichen Raum ermöglichen. Dies schließt insbesondere eine drastische Verkürzung der Dauer von Rechtsansprüchen auf urheberrechtliche Werke unter die im TRIPS-Abkommen vorgegebenen Fristen ein.

Erbengemeinschaften haben sicher nichts zur Erstellung eines Werkes beigetragen, das ein Vorfahr erstellt hat. Daher wäre es eine gute Lösung, das Urheberrecht mit dem Tod des Urhebers erlöschen zu lassen.

Mein Fazit: Wenn ich die Forderungen der Piraten zusammenfassen darf: Alle Werke sollen raus aus der Wirtschaft und rein in die Hoheit des Staates. Schönes Leben, schöne Welt.

3 Gedanken zu “Die Piraten zum Urheberrecht: kommentierter Auszug

  1. Zum 1. Kommentar-Abschnitt:
    Freie Verfügbarkeit von geistigen Werken und Geld verdienen schließt sich nicht aus:
    – Man kann die Erstveröffentlichung an sich einmalig verkaufen, wenn es schon faktisch keinen Sinn macht, in der digitalen Informationsgesellschaft geistige Werke nach Stückanzahl zu verkaufen. Die Urheber haben mit ihrem Werk in unveröffentlichter Form doch die absolute Kontrolle; damit muss und kann smart umgegangen werden.

    – Man kann freiwillige, direkte Zahlungsmöglichkeiten zw. Nutzer & Urheber anbieten; denn der freie Informationsfluss lässt sich nicht unterbinden, aber nachwievor begeistern ja geistige Werke, und das gibt den Zahlungsimpuls, und nicht etwa Zwang; so finanzieren sich u.a. Wikipedia, und das Freenet Software-Projekt, das einen festangestellten Programmierer hat und auf diese Weise ganz normal monatlich tarifgerecht bezahlt

    – Man kann seine geistigen Werke selber im Internet verbreiten und mit Werbeverträgen dafür sorgen, dass man mit jedem Download Geld von dem Werbepartner erhält; wenn man an das verwerfliche Megaupload und kinox.to denkt… oder an die Werbung im Privatfernsehen, oder Google, die sich ja auch mit Werbung im Internet refinanzieren, dann scheint das ja nicht ganz unrentabel zu sein

    – Man kann Nutzer zum freiwilligen Geldzahlen anregen; so finanziert sich Financial Times Online. Leute, die ein geistiges Werk schätzen, reagieren erstaunlich häufig auf jene Anregung; sie muss halt nur kommen

    – Nutzer durch Förderung freier Kulturgüterverbreitung auf sich aufmerksam machen und zum Kauf knapper Güter anregen; etwa Merchandising, Live-Auftritte, etc.

    – Man kann sich Werkschöpfung von der Allgemeinheit vorfinanzieren lassen; wie man an dem Beispiel sieht, ist das auch kein allzu schlechter Weg; gefordert waren 400.000 $ in 6 Wochen, doch schon nach den ersten 24 Stunden wurde die 1.000.000 $-Marke geknackt: http://www.kickstarter.com/projects/66710809/double-fine-adventure

    – u.a.

    Nicht Kaufzwang ist entscheidend, sondern Verbreitung & Zahlungsbereitschaft der Kunden; gerade letztere steigt, wenn man ungezwungen konsumieren kann. All jene freizügigen Geschäftsmodelle und deren Erfolge sind vor dem Hintergrund zu sehen, dass man ja für ein einzelnes Werk nicht nur einen Geschäftsansatz verfolgen kann, sondern gleich mehrere parallel und diese Ansätze allesamt noch in den Kinderschuhen stecken; was ist erst, wenn diese Geschäftsmodelle die Mitte der Gesellschaft erreichen ?

    Zum 2. Kommentar-Abschnitt:
    Du willst nicht ernsthaft Klosterbibliotheken als Maßstab für die digitale Wissensgesellschaft nehmen, oder ?
    Rechtsdurchsetzung von starken Urheberrechten funktioniert nur durch Totalüberwachung jeden Knotenpunkts im Internet; das heißt Vorratsdatenspeicherung, Datenpaketüberwachung, Internetsperren, Provider-Haftung. Diese Maßnahmen sind allerdings unvereinbar mit unseren Grundrechten, sie kehren die Unschuldsvermutung um und verletzen das Recht auf Privatsphäre, Datenschutz, freie Meinungsäußerung (beobachtetes Gesellschaftsleben führt zur Scheere im Kopf), etc. – im Rahmen einer grundrechtlichen Güterabwägung haben Urheberrechte also das Nachsehen; das heißt nicht, dass man Urheberrecht abschaffen soll, sondern dass man es freizügiger gestalten muss – das ist alles.
    Klar, kein System kann perfekt nachhaltig Wissen und Kultur erhalten, aber ein globales Netzwerk, dass nach individuellen Befindlichkeiten und staatlicher Förderung verfielfältigt, speichert und in aktuelle Formate umwandelt, ist wohl der beste Ansatz für den Erhalt von Wissen und Kultur. Ein Urheberrecht, dass einem derartigen Umgang mit geistigen Werken total widerspricht, steht dem natürlich entgegen; die Spitze des Eisbergs hierbei: Bibliotheken. Bibliotheken wollen Digitale Archivierung betreiben, aber wie soll das vernünftig gehen, wenn das Urheberrecht ihnen nur erlaubt, 1 digitale Kopie pro physisches Buch zu machen, und jegliche Verfielfältigung von digitalen Kopien Bibliotheken untersagt ist ? Das schließt ja auch unerlässliche Format-Wechsel aus.

    zum 4. Kommentar-Abschnitt:
    Unser heutiges Urheberrecht steht der Nutzung freier Lizenzen im Weg und festigt das GEMA-Monopol, das ganz klar sich jeglichem Öffnens gegenüber dem Digitalen Wandel versperrt; eine Urheberrechtsreform hin zu einem freizügigeren Urheberrecht ist also notwendig, damit Schaffende unbehindert mit dem Internet arbeiten können; sonst werden ihnen in einer Tour Steine in den Weg gelegt.
    Wenn du sagst, dass so eine Reform Urheber entmündigt, dann unterstellst du dem Urheberrecht, dass es Urhebern einen Eigentumsanspruch unterstellt. Der ursprüngliche Rechtsgedanke des Urheberrechts hat sich hiervon klar distanziert; er erkennt an, dass geistige Werke zu 50 % eine Individualschöpfung und zu 50 % lediglich eine Ableitung unseres kulturellen Bestands (Bildung, geistige Werke anderer Urheber, etc.) ist. Als Konsequenz hieraus formuliert er das Urheberrecht grundsätzlich als Vorrecht für Urheber, das Zugeständnisse an die Allgemeinheit enthält. Im Sinne des Interesses der Allgemeinheit an freien Zugang zu Wissen und Kultur und der sagenhaften Chancen, die uns der Digitale Wandel dafür bietet (Weltwissen vereinen), ist es also gesetzlich vollkommen denkbar, der Allgemeinheit das Recht auf nicht-kommerzielles Verfielfältigen zu geben.
    Das Urheberrecht hat einen Grundsatz: Den Interessensausgleich zwischen Urhebern, Allgemeinheit, und Rechteinhabern. Momentan ist dieser zulasten der Urheber und Allgemeinheit total in Schieflage geraten; wir PIRATEN wollen lediglich eine Wiederherstellung dieses Interessensausgleichs. Ja, die Urheber müssen dafür Rechte abtreten, im großen Rahmen sind sie wie die Allgemeinheit jedoch die Gewinner dieser Austarierung von Rechten; ganz konkret sollen die Rechte der Urheber gegenüber den Verwertern gestärkt werden. So sollen beispielsweise Urhebern Zweitverwertungsrechte eingeräumt werden, Rechte bei Nichtausübung schneller zurückfallen und unbekannte Nutzungsarten nicht pauschal eingeräumt werden können. Ferner soll die Vergabe ausschließlicher Nutzungsrechte auf maximal 25 Jahre beschränkt werden und diese Rechte anschließend zurück an den Urheber gehen. Zudem soll ausgeschlossen werden, dass sich Verleger zusätzlich Anteile an den Vergütungen der Urheber sichern können.
    Und dazu muss noch gesagt werden, dass Urheber ja auch profitieren, wenn unsere Gesellschaft freizüigiger mit geistigen Werken umgeht: Das ist ein Kultur-Impuls für die Remix-Kultur, und außerdem können in so einer Gesellschaft die Verleger nicht mehr einen Urheber T abmahnen, wenn sie über dessen Werke berichten, und Urheber T daraufhin seinerseits über jenen Bericht berichtet.
    Die Auftrennung von kommerzieller und nicht-kommerzieller Nutzung mit all ihren Schwierigkeiten ist kein Problem einer solchen Urheberrechtsreform; die Rechtspraxis musste schon heute diese Linie ziehen und hat sie schon gezogen; kurz: Kein Problem (mehr).

    Zum 5. Kommentar-Abschnitt:
    Die Entscheidung über die Nutzung eines geistigen Werkes liegt beim Urheber; auch mit jener Reform:
    Die Urheberpersönlichkeitsrechte, also der ideele Teil des Urheberrechts, bleibt wie bisher erhalten; und wirtschaftlich hat der Urheber wie bereits angesprochen ja vor Erstveröffentlichung die absolute Kontrolle; er muss halt lediglich berücksichtigen, dass seine Werke theoretisch mit der ersten digitalen Kopie im Internet unumkehrbar weltweit überall unerschöpflich verfügbar sind. Dass das wirtschaftlich kein Problem ist, wurd‘ bereits ausführlich aufgezeigt.

    Zum 6. Kommentar-Abschnitt ist durch die vorherigen Entgegnungen meinerseits bereits alles gesagt.

    Zum 7. Kommentar-Abschnitt:
    Nicht-Kommerzielle Freistellung geistiger Werke erfordert keinen Staat, der im Stile der Plan-Wirtschaft Kulturgüterverbreitung betreibt; Gesetze lockern, freien Kulturgüterverbreitung durch die Bevölkerung freien Lauf lassen – fertig.
    Und noch mal in aller Ausführlichkeit zum Eigentumsbegriff im Zusammenhang mit dem Urheberrecht:
    Geistige Werke sind Schöpfungen eines konkreten Individuums, die es ohne dieses Individuum nicht gegeben hätte; allerdings bauen geistige Werke gleichermaßen auch auf früheren geistigen Werken auf! Unter anderem auch auf Inhalte, die mittlerweile Gemeingut sind (Kinderlieder, Bildung, etc.). Geistige Schöpfungen sind keine genialen Eingebungen, die im luftleeren Raum entstehen: Ohne traditionelle fernöstliche Musik, kein Song „In the Light“ von Led Zeppelin; ohne Klassik, keine Rock-Band Muse; ohne Bauhaus-Architektur keine Egon Eiermann-Architektur etc. Weil geistige Werke zu einem hohem Anteil nur eine Ableitung von unserem kulturellen Inventar sind, und damit von etwas, das uns allen gehört, ist es absurd, einen Eigentumsanspruch auf ein geistiges Werk zu erheben, der ja alle anderen absolut von der Nutzung ausschließt. In dem Moment, in dem man das macht, begeht man nach dieser Logik ja selbst Diebstahl; nämlich an den Urhebern von geistigen Werken, die einen bei seinem eigenen Schaffen beeinflusst haben. Das zeigt auf: Man muss mit geistigen Werken anders umgehen, als mit Eigentum; freizügiger. Urhebern steht natürlich ein Vorrecht zu, aber die Allgemeinheit hat gleichermaßen ein Recht auf Zugeständnisse. Genau so war unser Urheberrecht in seiner Erstfassung auch ausgestaltet. Jener Rechtsgedanke ist mittlerweile aber leider durch beständige, jahrzehntelange Lobbyarbeit pervertiert, so dass unser heutiges Urheberrecht kein kodifizierter Interessensausgleich zwischen Urhebern und Allgemeinheit mehr ist, sondern ein Verwerterrecht, das die Interessen der Rechteverwerter viel zu stark berücksichtigt, und das zulasten aller anderen Interessensgruppen, auch der Interessensgruppe der Urheber. ACTA ist dahingehend übrigens ein weiterer trauriger Höhepunkt dieser Fehlentwicklung; mit der EU-Richtlinienänderung IPRED steht schon der nächste in Aussicht.

    Zum 8. Kommentar-Abschnitt:
    Die Frage der Schöpfungshöhe ist täglich Brot der Rechtssprechung mit einem großen Fundus Präsidenz-Urteilen auf der die heutige Rechtssprechung aufbaut. Das Urheberrecht selbst hat den Werk-Begriff gar ganz konkret definiert:
    Werke müssen sinnlich erfahrbar sein, über alltägliche Handwerklichkeit hinausgehen, Eigenheiten haben, und noch ein 4. Punkt, der mir gerad‘ nicht einfällt…
    Auch in der Hinsicht wirft die angestrebte Reform also keine Probleme auf.

    Zum 9. Kommentar-Abschnitt:
    Joa; die Schutzdauer sollte in der Tat verstärkt urheber-bezogen ausgestaltet sein, im Gegensatz zu dem Urheberrechtsabschnitt zu den Zugeständnissen an die Allgemeinheit (Abschnitt 6 – Schranken des Urheberrechts).

    Zum Fazit:
    Wir fordern eine Rückbesinnung auf eine sachgemäße Ausgestaltung des Urheberrechts und in diesem Rahmen sollen erstveröffentlichte geistige Werke frei sein, und die Urheber sollen mit der freizügigen Kulturgüterverbreitung arbeiten, anstatt sie und ihre Nutzer als Feind zu betrachten.

    Viele Grüße,
    / aka Oliver, Pirat, Hobby-Musiker & Planer für Architektur

  2. 1. Der vermeintlich entgangene Umsatz ist faktisch kaum nachweisbar. Sie verkennen, dass diejenigen, die entsprechende Inhalte kopieren, diese nicht zwangsläufig gekauft hätten. Ich für meinen Teil unterstütze Künstler auch weiterhin, indem ich ihre Werke kaufe.

    2. Bei der Vervielfältigung vergessen Sie, dass es sich nicht nur um eine Festplatte handelt, sondern um sehr viele. Desweiteren ist die Überwachbarkeit der Nutzer durch entsprechende Netzwerktechnologie nicht mit der in Klosterbibliotheken vergleichbar.

    3. In der Theorie ist jeder Urheber frei CC-Lizenzen zu verwenden. In der Praxis sieht es leider anders aus. Die GEMA und die gesamte Industrie dahinter, genießen Sonderrechte und sind mitunter die einzige Möglichkeit für Musiker, ihre Werke auf bekanntne Plattformen zu verbreiten. Zudem erschwert die GEMA-Vermutung eine evtl. gewollte Nutzung frei lizensierter Musik. Möglichkeiten für Künstler, die ihre Werke frei lizensieren wollen, aber dennoch von ihrer Kunst leben möchten, Geld zu verdienen, haben aktuell keine effektiv nutzbare Infrastruktur, da sie aus den genannten (und weiteren) Gründen nicht weit genug verbreitet sind (z.B. Flattr).

    4. Der überwiegende Teil der geschaffenen Kunst und Kultur ist nicht erfolgreich genug, um den Künstlern ein Auskommen zu sichern. Das allerdings sagt nichts über die Qualität der Werke aus. Von ihrer Kunst wirklich leben (und sogar sehr gut leben) kann nur die Popular Culture. Der ganze Rest wird entweder staatlich gefördert oder lebt schaffend unter Selbstausbeutung. Es ist übrigens nie so viel geschaffen worden an Kunst und Kultur wie in den Zeiten vor dem Urheberrecht.

    5. Es ist eine ebenso absurde Situation, Kunst nur zu schaffen, um Geld zu verdienen. Zudem unterscheidet sich „geistiges Eigentum“ vom echten Eigentum diametral. Dazu ein kleiner Verweis: http://neusprech.org/geistiges-eigentum/ .

    6. JEDES durch öffentliche Mittel finanzierte Werk muss wieder in den öffentlichen Raum zurückgeführt werden.

    In allen anderen Punkten stimme ich Ihnen völlig zu.
    Grüße, Daniel

  3. Im Grossen und Ganzen stimme ich mit Deiner Meinung überein. Es besteht keinerlei Bedarf das Urheberrecht zu ändern. Mir scheint, man will damit Milliarden illegaler Downloads im Nachhinein legalisieren. Worin ich nicht mit Dir übereinstimme ist die Aufhebung des Schutzes nach dem Tod des Urhebers. Warum sollte ich meine Arbeit nicht an meine Kinder vererben können? Wenn einer mit seiner Arbeit ein Haus gebaut hat, dann kann er das problemlos tun. Mein Haus ist meine Arbeit. Sonst – müsste man das Erbrecht generell ändern? Aloha Gert Wiescher

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